Am Samstag, 17. März 2007, luden Obmann Peter Stöckl und Organisationsleiter Karl Boskovitz Mitglieder und Freunde zu ihrer gemeinsamen Geburtstagsfeier unter dem Motto: "120 Jahre Mühsal des Lebens" in unser Lokal im Handelsministerium ein.
Beide Geburtstagskinder wurden vor kurzem mit wenigen Wochen Abstand 60 Jahre.
Vorweg einmal wollen wir die Geburtstagsjubilare vorstellen:
Peter Stöckl wurde am 21. Februar 1947 in Wien geboren. Die ersten sechs Jahre verbrachte Peter oft in der Semmelweisklinik, da er immer wieder krank wurde.
Die Gehörlosenschule in Wien besuchte er von 1953 bis 1962. Mit 8 Jahren kam Peter zum Donaufeld-Sportverein, wo er zusammen mit Hörenden Fußball spielte. Auch in den Sportarten Turnen, Schach und Rudern bei anderen (hörenden) Vereinen machte Peter mit.
Fast täglich, jedoch mindestens vier Mal in der Woche betrieb Peter Sport. Mit 17 Jahren kam er dann im Jahre 1964 zum WGSC 1901, der sein Lokal damals im WITAF hatte. Er meldete sich von seinem bisherigen Stammverein, dem Donaufeld-Sportverein, ab und trat dem WGSC als neues Mitglied in der Fußballsektion bei.
In der österreichischen Gehörlosen-Fußballmeisterschaft erreichte Peter mit dem WGSC in den Jahren 1968, 1972 und 1973 den Meistertitel.
Später wechselte er als Fussballer zum Wr. Neustädter GSC, wo er mit diesem Verein in den Jahren 1975, 1977 und 1978 auch den Meistertitel holte.
1978 trat er dem Gehörlosen-Kegelsportverein "Vienna" bei, der im selben Jahr seine Gründung vornahm und sein Vereinslokal im 11. Bezirk in der Leberstrasse hatte.
1985 kam Peter wieder zum WGSC zurück, wo er als aktiver Kegler in der Kegelsektion mitspielte. In den Jahren 1985 und 1986 betreute er zudem noch die Fußballsektion des WGSC als Trainer, ordnete vermehrte Aufbauspiele an und konnte dadurch viele Erfolge verzeichnen. Bei der späteren Fußball-Wahl schied er dann als Trainer aus und blieb nur mehr dem Kegelsport treu.
Peter erreichte viele schöne Erfolge im Kegeln, wurde mit der Mannschaft im ÖGSV zwei Mal Vizemeister und im (hörenden) Sportkeglerverband Wien zwei Mal Meister, sowie drei Mal Vizemeister.
Im Jahre 1988 wählte ihn die Kegelsektion zu ihrem Leiter, diese Funktion er bis 2006 inne hat. Er war damit der am bisher längsten amtierende Kegel-Sektionsleiter in der Geschichte des WGSC.
1993 erhielt Peter das Schiedsrichter-Diplom vom Wiener Sportkeglerverband.
Im WGSC füllte Peter noch folgende Funktionen aus:
1994 - 1996 3. Obmann
1996 - 1998 Revisor
Ende des Jahres 2006 kam es zum Bruch mit dem WGSC und Peter wurde in unserem neugegründeten Verein "Gehörlosen Kegelclub Wien" zum Obmann gewählt.
Karl Boskovitz wurde am 10. März 1947 in Nickelsdorf im Burgenland geboren.
Nach zwei Jahren im Kindergarten in Nickelsdorf besuchte er die
Schule im Bundestaubstummen-Institut im 13. Wiener Bezirk, von September 1953 bis Juni 1961.
Anschließend absolvierte er 3 Klassen in der Berufsfachschule für Technik als
Ledergalanteriewarenerzeuger im 5. Wiener Bezirk in der Geigergasse 5-9.
Nach der Berufsausbildung war Karl bei der Firma Johann Roth im 7. Wiener Bezirk von August 1964 bis Mitte Jänner 1972 beschäftigt.
Die Hochzeit mit seiner Gertraude fand am 9. Jänner 1971 in der Kapelle des Schlosses Schönbrunn statt, Sohn Alexander kam am 5. Juli 1972 in Wien zur Welt.
In weiterer Folge arbeitete Karl von Mitte Jänner 1972 bis Mitte August 1981 bei der Firma Josef Trefelik im 6. Wiener Gemeindebezirk. Danach fand er eine Anstellung als Vertragsbediensteter in in der Magistratsabteilung 6 - Buchaltungsabteilung 5, zuerst im 12. Bezirk von Mitte September 1981 bis Mitte Juni 2003, dann nach Übersiedlung ins neue Büro in der Graumanngasse im 15. Bezirk, wo er bis heute blieb.
Nun eine kurze Übersicht seiner Vereinslaufbahn:
1981 – 1982 Mithelfer im Wiener Gehörlosen Sportclub 1901
1982 - 1992 Vize - Kassier
1993 – 2000 Geschäftsführer
2001 - 2006 Organisationsleiter in der Sektion Kegeln des WGSC 1901
2002 – heute Organisation von Ausflügen und kulturellen Besichtigungen der Sektion Kegeln des WGSC 1901 zusammen mit dem Sparverein "Gemeinschaft der Gehörlosen Wien".
2007 erfolgte die Neugründung des Gehörlosen Kegelclub Wiens und Karl wurde deren Organisationsleiter.
An diesem denkwürdigen Nachmittag folgten Mitglieder wie Freunde der Jubilare ihrem Ruf, das runde Geburtstagfest gebührend zu feiern.
Bereits ab 15 Uhr trafen schon die ersten Gäste ein. Diese wurden mit Sekt empfangen. Peter und Karl kümmerten sich vorbildlich um die Gäste, reichten dort nach, wo ein Glaserl bereits geleert wurde und unterstützten die Buffetmitarbeiter nach besten Kräften.
Als gegen 16 Uhr das Lokal voll wurde, gab es als Fortsetzung zum Begrüßungssekt für jeden Kaffee und Torten in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen zur Auswahl. Auch die anwesenden Kids - darunter auch Karls Enkel - ließen sich die süßen Sachen gut schmecken.
So verging der Nachmittag wie im Fluge und es wurde schnell Abend. Um 18 Uhr wurden dann den Gästen Wiener Schnitzel serviert, zur Wahl mit Pommes oder Kartoffelsalat, oder mit beidem zusammen. Alle langten herzhaft zu und hielten sich danach die Bäuche.
Nach dem Essen und niemand mehr sagen konnte, er hätte noch ein kleines bißchen Hunger, begann die eigentliche Geburtstagsfeier. Im Lokal ging plötzlich das Licht aus, herein kam Frau Mörth, die es sich nicht nehmen ließ und beiden Jubilaren eine wunderschöne Geburtstagstorte, die mit deren Bildern verziert war, zu überreichen. Aus der Tortenmitte schoß ein kleines Feuerwerk, das die Augen der Anwesenden ergriffen glänzen ließ.
Herbert Glatzmayer ergriff nun das Wort und hielt eine Rede, nach dieser er jedem Jubilar ein Geschenk aller Gäste überreichte. Gerührt bedankten sich Peter und Karl bei den Gästen. Peter erzählte dann einige Ausschnitte aus seinem Leben, erklärte, wie er zum Kegeln kam, nachdem er lange Fußball spielte, wie er Sektionsleiter und schließlich Obmann wurde und bekam zum Schluß eine Menge Applaus.
Nach ihm sprach auch Karl zu den Gästen, erwähnte Stationen seines bewegten Lebens und bedankte sich abschließend noch einmal bei allen Gästen für die wunderschöne Feier. Auch ihm wurde gebührend Applaus zuteil.
Nun ließ es sich sein Sohn Alexander nicht nehmen, kurz zu den Gästen zu sprechen. Er bat seinen Vater, für den der Verein alles bedeutet, doch nun etwas kürzer zu treten. Alle werden ja älter und seine Mutter nähert sich bereits den 62.
Nach Alexander gratulierte Otto Hlawiczka den Jubilaren in einer kurzen Rede an die Gäste, wobei er darauf aufmerksam machte, daß es für uns Gehörlose doch besser angebracht sei, mit den Händen in einem bestimmten Rythmus zu winken, als zu klatschen, das doch keiner hört.
Hans Domes hatte für die Jubilare auch ein persönliches Geschenk dabei, das er nach einer Einleitungsrede an die Gäste beiden überreichte.
Peter bekam eine schwarze Aktenmappe aus Leder, die wie Domes meinte, sich für den Transport von wichtigen Schriftstücken des Vereines gut eigne.
Karl erhielt dagegen eine hellbraune Ledertasche, in der er alles verstauen könne. Er ist schließlich Organisator und es könnte sein, daß er mal eine beträchtliche Geldspende für den Verein erhält, die zu transportieren mit der neuen Tasche
kein Problem wäre.
Nachdem die Reden gehalten, Geschenke überreicht, Glückwünsche ausgesprochen wurden, saß man noch lange beisammen und unterhielt sich blendend, wobei Karl und Peter sich um jeden einzelnen Gast kümmerten.
Als dann die Sperrstunde nahte und man sich anschickte, sich auf den Heimweg zu machen, hatte man die Gewißheit und das Erlebnis, an einem wundervollen Geburtstagsfest teilgenommen zu haben.
Diese seltene doppelte Jubiläumsfeier wird allen noch lange in Erinnerung bleiben.
Bericht: Manfred Weidner
|