1. Deaf Championsleague Kegeln
25. - 26. Juni 2010 in Karlsruhe - mit
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Frank Schäfer vom GSV Karlsruhe hatte die Idee von der 1. Deaf-Championsleague im Sportkegeln, die dann auch vom 25. - 26. Juni 2010 in seiner Heimatstadt Karlsruhe, in der sich der Sitz des deutschen Bundesgerichtshofes befindet, stattfand.
Wir meldeten uns dazu schon frühzeitig an, gleichzeitig buchten wir 5 Monate im Voraus einen Flug in die Kaiserstadt, die im Südwesten Deutschlands unweit der Grenze zu Frankreich gelegen ist.
Beim Check-in in Wien-Schwechat war die Bodenstewardess sehr um unser Wohl bemüht und fertigte uns daher im Rekordtempo ab. Das ließ uns ausreichend Zeit für ein Schalerl Kaffee vorm Abflug, der planmäßig um 8:25 Uhr am Freitag, 24. Juni 2010, erfolgen sollte. Zeitgerecht begaben wir uns dann zur Sperre und weiter zum Abfluggate. Dort mussten wir noch etwas warten, vermutlich gab es eine Panne. Kurz vor der Abflugzeit kam endlich der Zubringerbus und transferierte uns zum Flieger.
Mit etwa 15 Minuten Verspätung hoben wir dann ab in den Himmel über Wien gen Westen. Unser Flieger war eine kleine Propellermaschine, jedoch ziemlich oho. Kaum jemand von uns flog schon mal in einer Propellerkiste, wo es heutzutage Düsenflugzeuge wie Sand am Meer gibt. Der Flug war aber ruhig und wir genossen diesen sehr. Die Aussicht war dazu prächtig, denn es herrschte wolkenloser Himmel, je weiter wir nach Westen flogen. Nach etwas mehr als einer Stunde landeten wir am Flughafen in Karlsruhe/Baden-Baden. Unsere Koffer waren wie ein geölter Blitz zur Stelle, selten hab ich es auf einem Airport so schnell erlebt.
Am Ausgang wartete schon Frank Schäfer mit einem Vereinskollegen auf uns, um uns zum Hotel zu begleiten. Es herrschte eine drückende Hitze im Freien, die uns ziemlich ins Schwitzen kommen ließ.
Da der Bus erst nach 25 Minuten kam, stiegen wir daher entsprechend braungebrannt ein und landeten eine halbe Stunde später am Hauptbahnhof in Baden-Baden. Dort nahmen wir den Regionalzug, der auf dem Weg nach Karlsruhe nur so dahinsauste. Nach einer Fahrt von einer Viertelstunde kamen wir am Hauptbahnhof Karlsruhe an und wurden gleich von unserem "Servicemann" Frank zur Strassenbahnlinie bugsiert, die uns weiter zum Hotel brachte. Karlsruhe verfügt über ein ausgedehntes Strassenbahnnetz, das uns ziemlich wunderte, ist es doch eine nicht allzugroße Stadt mit ca. 290.000 Einwohnern, etwa in der Größenordnung von Graz. So viele Strassenbahnen, die dazu noch in Minutenabständen hintereinander kreuz und quer fuhren, hatten wir in so einer kleinen Stadt noch nicht gesehen. Karlsruhe könnte sich durchaus mit Wien messen und will das wahrscheinlich auch angesichts seines neuen Vorhabens einer U-Bahn mitten durch die Stadt von einem Ende zum anderen. Diese soll 2015 fertig sein, also noch reichlich Zeit bis dahin. Hoffentlich geht den Karlsruhern bei einer etwaigen Wiederholung der Wirtschaftskrise bis dahin nicht das Geld dafür aus.
Beim Hotel Rio angekommen, wartete schon unser Vereinskollege Kurt Rieser, der alleine mit dem Auto aus Innsbruck anreiste, sehnsüchtig auf uns. Mit ihm im Schlepptau befand sich Werner Grünanger, der mit Kurtl mitfuhr. Werner spielt für die Linzer, wohnt aber in Innsbruck, daher wars selbstverständlich, dass Kurtl seinen "Landsmann" mitnahm.
Ich besorgte dann auch gleich die Zimmerschlüssel für alle bei der Rezeption und nachdem wir unser Gepäck in unseren Zimmern unterbrachten, ging es wieder los, eine Futterinsel zu suchen. Bei allen machte sich nämlich schon ein allmählich beginnender Tsunami an Hunger bemerkbar und so war es notwendig, möglichst schnell an Fressalien zu kommen. Sightseeing konnte dabei getrost warten. Auf dem Weg in die innere Stadt kamen wir bei einem Italiener vorbei und beschlagnahmten gleich die besten Plätze im Freien. Fast alle wählten Pizzen, so groß wie Walfischmägen. Die wurden anschließend restlos verdrückt und es konnte nun mit dem Sightseeing begonnen werden. Frank zeigte uns das Areal des Bundesgerichtshofes, das natürlich gut bewacht wurde. Danach landeten wir in einem der größten Einkaufstempel Karlsruhes, dem "Ettlinger Tor" und bummelten ein bißerl umher. Die drückende Hitze trieb uns förmlich zu einem Eisstand im Inneren des Einkaufzentrums, wo wir uns bei Riesenkugeln etwas labten. Gegen 16 Uhr hatten wir vom Sightseeing genug und wollten in der Gaststätte der Kegelbahn ein WM-Fußballspiel mitverfolgen. Der Pächter im Kegelcenter Karlsruhe in der Kaiserallee war übrigens ein Kroate, sehr nett und in der Bedienung zuvorkommend. Seine Cevapicis schmeckten außerordentlich gut, sie wurden nach Originalrezept aus seiner Heimat zubereitet. Nur an das Bier aber mussten wir uns gewöhnen. Ein deutsches Bier hält den Vergleich zu einem österreichischen Reinheitsgebot beim Gerstensaft nicht aus. Kann aber auch Geschmacksache sein, jedenfalls war das dortige Bier für uns viel zu schwach.

Schnell wurde es abends und um 20 Uhr gab es den ersten Start in der Vorrunde. Unsere B-Mannschaft startete zusammen mit der B-Mannschaft der Karlsruher in einem Rutsch. Leicht zu bewerkstelligen, die Kegelbahn verfügt nämlich über 8 Bahnen. In einer guten Stunde waren alle fertig.

Kurze Erklärung zum Turnier: Dieses wurde in zwei Runden abgehalten - einer Qualifikationsrunde (Vorrunde) und einer Final- bzw. Trostunde. 8 Mannschaften kommen weiter, die ersten 4 in die Finalrunde und die letzten 4 in die Trostrunde. Unsere B-Mannschaft legte sich gehörig ins Zeug und als Kurt Rieser sogar 552 Kegel herauskitzelte, dazu Franz-Josef Pamer immer noch hervoragende 520, hofften wir ein bißchen auf die Finalrunde für unsere 2. Mannschaft. Leider konnten Walter Breser und Walter Vala nicht ihre volle Leistung bringen und blieben bei 484 und 481 Kegelchen stecken. Trotzdem hatten wir einen Schnitt von 509,3. Die 2. Karlsruher Mannschaft hatte viel weniger und durfte sich bei einem Schnitt von 481,1 Kegel kaum Hoffnung auf die Trost- geschweige denn Finalrunde machen.
Nach dem Spiel bleiben wir noch ein Weilchen, bevor wir uns wieder zurück zum Hotel begaben, das nur 5 Minuten von der Kegelbahn entfernt lag. Zuvor begrüßten wir noch die Linzer, die knapp vor Spielbeginn bei der Kegelbahn eintrafen, aber erst morgen spielen mussten.

Unsere Zimmer waren durchwegs komfortabel eingerichtet, die Betten sogar mit Gesundheitsmatratzen ausgestattet. Wir schliefen alle prächtig und wachten ausgeruht und energiegeladen am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein auf. Nach ausgiebigem Frühstück im Hotel ging es wieder zur Kegelbahn, wo dann um 9 Uhr der Startschuß für alle noch verbliebenen Mannschaften erfolgte.

Um die ersten 4 Plätze fürs Finale gab es zwischen Deggendorf, Graz, Brno und Ludwigsburg ein hartes Ringen, bei dem am Ende Ludwigsburg als Sieger hervorging. Allerdings äußerst knapp mit 2 Holz Vorsprung vor Deggendorf. Graz lag mit 24 Kegel schon etwas weiter zurück und Brno wurde mit einem winzigen Kegel hinter Graz Vierter.
Der LGKSV versäumte das Finale um 15 Holz, Pforzheim lag 63 Kegel hinter dem Vierten zurück und unsere A-Mannschaft schon um 83 Kegel. Immerhin schaffte es unsere B-Mannschaft in die Trostrunde, da sie die 1. Karlsruher Mannschaft um 7 Kegel abhängte und damit 8. wurde. Sehr knapp...
Somit waren die Gastgebermannschaften beide schon in der Vorrunde ausgeschieden.
Von unserer A-Mannschaften möchte ich noch Alois Standhartinger (539) und Robert Pucher (535) erwähnen, die sich alle Mühe gaben und uns damit über Wasser hielten. Nach meinen eigenen schwachen 513 Kegel und dem Desaster Josef Schiels, der gar nur 469 zustande brachte, mussten wir alle Hoffnungen auf eine Finalrunde begraben. Wir wollten aber noch alles dransetzen, um wenigstens als 5. in der Trostrunde möglichst gut auszusteigen.

Nachmittags wurden dann die Final- und Trostrunden nebeneinander ausgetragen.
Es zeichnete sich ein spannendes Rennen zwischen den ersten vier ab. Überragend Deggendorfs Bernhard Müller, der 573 erzielte und somit seine Mannschaft in den Zielhafen steuerte.
Die Grazer hatten mit ihrem zweiten Platz Glück, denn der dritte, SKN Brno, lag im Gesamtergebnis um 10 Kegel vor ihnen. Es gilt aber in der Finalrunde die Punktewertung (MP) und nicht das Gesamtergebnis. Großes Pech für die Ludwigsburger, die in der Vorrunde erste waren und im Finale lediglich auf dem 4. Platz landeten. So entging ihnen auch noch 100.- an Preisgeld, das nun der lachende Dritte, der SKN Brno, kassierte.

In der Trostrunde ließ unsere 1. Mannschaft nichts mehr anbrennen. Alois Standhartinger (559) und Robert Pucher (557) spielten ihre Stärke voll aus, Josef Schiel wachte mit 523 endlich wieder auf, ich musste dagegen zwar mit 497 in den Mannschaftskeller gehen, aber wir holten uns mit 13 MP doch verdient den 5. Gesamtplatz.
Unserer B-Mannschaft gingen schließlich die Kräfte aus, sie segelten mit 8,5 MP auf den letzten Platz, obwohl sich Franz-Josef Pamer (532), Alexander Boskovitz (509 - er sprang für den "abgesprungenen Kurt Rieser, der schnellstens heim nach Tirol zu einem Orientierungslauf musste, ein), und Walter Breser (504) einige Mühe gaben. Nur Walter Valas 465 verhinderte leider eine bessere Platzierung unserer tapferen B-Mannschaft.

Nach dem Spiel begaben wir uns ins Hotel, duschten und zogen uns für den Abend um. Dann begleitete uns eine Karlsruherin zum GL-Zentrum, das mit der Strassenbahn angesteuert wurde.
Dort war eine Menge los, die Karlsruher gewannen just an diese Tag die deutsche Fußballmeisterschaft im Finale gegen Stuttgart und waren dementsprechend voll aus dem Häuschen.
Einer aus der Mannschaft machte sogar seiner Freundin einen Heiratsantrag! Das und der Meistertitel wurde entsprechend begossen, unter anderem mit einer 5-Liter Magnumflasche voll Wodka. Die 5 Liter waren im Nu weg und danach sicherlich auch die ganze Mannschaft inklusive Betreuer, Trainer, Masseure und Funktionäre.

So gegen 22 Uhr wurde die Siegerehrung der 1. CL im Sportkegeln abgehalten, moderiert von ihrem Erfinder, Frank Schäfer. Wir blieben dann noch bis kurz vor Mitternacht, bevor wir uns wieder ins Hotel zurück begaben. Das heißt, ein harter Kern von uns blieb noch etwas länger, so bis 2 Uhr. bevor auch dieser in die Federn fand.

Der Sonntag begann wieder heiss. Nach dem Frühstück besichtigten wir das Kaiserschloß unweit unseres Hotels, danach suchten wir zum Abkühlen ein Cafe im Zentrum auf, wo wir bis kurz nach Mittag verweilten.
gegen 14 Uhr wieder zurück zum Hotel, Gepäck abgeholt und per Strassenbahn zum Hauptbahnhof. Wir hatten Glück und erreichten gerade noch den Regionalzug nach Rastatt, wo wir nach kurzem Warten in den Bus zum Flughafen Karslruhe stiegen.
Unser Flug ging zwar erst am späten Abend, doch wollten wir uns das spannende WM-Match zwischen England und Deutschland nicht entgehen lassen.
Glücklicherweise gab es am Airport große Bildschirme, die das Spiel live übertrugen. Als dann der Abflug, der planmäßig um 20:50 Uhr erfolgen sollte, näher rückte, wurde mit dem Boarding plötzlich viel zu früh begonnen. Wir hatten unsere liebe Not, rechtzeitig an Bord zu kommen und hoben dann 20 Minuten früher als vorgesehen ab Richtung heimatliches Wien.
Unsere Maschine war diesmal eine größere und auch schneller, wir landeten bereits eine Stunde später in Schwechat.

Eine herrliche Reise mit einem Rucksack voller Erlebnisse ist damit für uns zu Ende gegangen.


Bericht: Manfred Weidner

Bilder - Ergebnisse

 

Video - 1. Deaf Championsleague Kegeln Karlsruhe
1. Teil
(Anreise, Turnier)
 
 
2. Teil
(Siegerehrung, Sightseeing Karlsruhe, Heimreise)