Vereinsausflug nach Stallhofen und Graz - Samstag, 18. September 2010

Dieser kulturell sehr interessante Ausflug führte uns diesmal ins grüne Herz der Steiermark.

Bereits um 6:30 Uhr trafen sich die Ausflugsteilnehmer am Gürtel unweit des Westbahnhofes, wo der 57-sitzige Bus schon wartete. Es war noch dunkel, als alle einstiegen und es sich gemütlich machten. Ein wenig bangen mussten wir noch auf einige, die erst buchstäblich in letzter Minute zur Abfahrt erschienen. Einer verschlief und durfte daher vom Ausflug nur träumen.
Die Fahrt ging über die Südautobahn Richtung Wechsel. Bei Baden stiegen Dorin Bica samt seiner Freundin zu, wenig später nahmen wir bei Wöllersdorf noch Rita Hetzmaneder und ihren Mann auf. Wir waren nun vollzählig und genossen die Fahrt in den - leider verregneten - Süden bei guter Stimmung und allerlei lustigen Spässen. Der Regen hörte einfach nicht auf, konnte aber unsere Laune nicht verderben. Beim Rasthaus Loipersdorf machten wir kurz Halt, um uns die Beine zu vertreten und den Rauchern unter uns ein bißerl "Gassi gehn" zu gewähren.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt kamen wir in Stallhofen an, dem Ort mit dem Museum Gustinus Ambrosis, des begnadeten gehörlosen Künstlers, der sich in der ganzen Welt als Bildhauer einen beachtlichen Ruf schuf.
Klar, dass wir gleich das Museum besuchten, um in der künstlerische Welt Ambrosis andächtig zu versinken. Dieser lebte eigentlich in Wien, suchte aber auf dem Lande einen Ort zur Erholung und fand diesen in Stallhofen, wie uns der Museumsführer schilderte. Sein gut einstündiger Vortrag wurde von Fr. Christine Grill gedolmetscht. Anschließend wurde das Museum besichtigt, darunter auch die Wohnräume des Künstlers, dem es leider nicht vergönnt war, das alles zu genießen. Ein Jahr vor Fertigstellung schied er freiwillig aus dem Leben.

Im Folgenden eine Kurzbeschreibung des Ambrosi-Museums, der Website der Marktgemeinde Stallhofen entnommen:

Das schöpferische Leben des Professor Gustinus Ambrosi, geboren 1893 in Eisenstadt, umfasst weltberühmte Plastiken und Gedichte, die dem 1975 verstorbenen Künstler viele internationale Ehrungen und Auszeichnungen einbrachten. Im Alter zog er sich in sein Haus in Stallhofen zurück, welches heute als Museum und Ausstellungsraum seiner Skulpturen dient.

Nach eigenen Entwürfen wurde ein florentinisch anmutendes Haus inmitten eines Parkes errichtet. Die Fertigstellung erlebte der Künstler aber nicht mehr es wurde von seiner Frau nach seinen Vorstellungen fertiggebaut und eingerichtet. Seit 1985 ist das Haus als Gedenkstätte zugänglich.

Der von frühester Kindheit an gehörlose Ambrosi schuf bereits mit 15 Jahren sein erstes berühmtes Werk "Der Mann mit dem gebrochenen Genick". Dieses, wie auch "Die Blüte" oder "Ikaros" sind neben unzähligen anderen Plastiken und Studien hier zu bewundern. Bekanntheit erlangte Ambrosi im fortgeschrittenen Alter nochmals durch Portraitbüsten berühmter Persönlichkeiten, die in einem Raum in Auswahl aneinandergereiht sind. Von besonderem Interesse ist aber auch das Leben des Ambrosi, welches im ersten Obergeschoß wie aus dem Leben gegriffen zu sehen ist. Vor allem frühe Kleinplastiken, ein gotisches Bett und Bildwerke aus den letzten vier Jahrhunderten sind überaus bemerkenswert.

Auch eine kleine amüsante Anekdote aus dem Leben Ambrosis soll erwähnt werden:
Papst Pius XII erfuhr damals auch vom Ruf Ambrosis und ließ sich höchstpersönlich von ihm als Portraitbüste verewigen. Eines Tages gab der Papst Ambrosi bei einer Pause den Schlüssel zu seinem Weinkeller, damit sich dieser während der anstrengenden Arbeit etwas laben konnte. Ambrosi ging in den Keller und kostete von jedem Wein. So vertieft im Kosten vergaß er die Zeit und auch den Papst, der oben vergeblich auf ihn wartete. Konsequenzen hatte das keine, der Papst nahm es mit Humor. Ambrosi war somit der einzige Mensch, der den Papst warten ließ, das sich sonst kein Normalsterblicher erlauben dürfte.

Reich an eindrucksvollen Erlebnissen begaben wir uns nach dem Museumsbesuch zum Gasthaus Kirchenwirt, wo das Mittagessen eingenommen wurde. Bedient wurden wir von den freundlichen und aufmerksamen Wirtsleuten sehr rasch und das Essen schmeckte vorzüglich.
Wohltuend gesättigt ging es dann zum Krampusmuseum hinter dem Wirthaus. Es war ein alter Schuppen in dem sich Krampusfiguren aller Art befanden, aber auch viele Gegenstände aus anno dazumal. So sahen wir alte Mopeds, Fernseher, Bücher, die guten alten Schillingscheine, Nähmaschinen und vieles noch aus dem täglichen Leben vor mehr als 50 Jahren und länger.

Im Krampusmuseum wird der Brauch um den Nikolaus und den Krampus eindrucksvoll dargestellt. Viele Nikolaus- und Krampusfiguren sind zu besichtigen und zeigen unter anderem Szenen aus vergangenen Tagen. Eine Filmvorführung zu Beginn der Führung durch die verschiedenen Räumlichkeiten trägt zur Spannung bei.

Der Stallhofner Bartl, so erzählt es die Legende, hauste angekettet in einer Höhle nahe dem Nikolauskreuz, das sich in einiger Entfernung der Pfarrkirche Stallhofen befindet. Man sagt, er habe sich am 5. Dezember von seinen Ketten losgerissen und sei in den Wald gestürmt, wo er von da an sein Unwesen treibe.
Quelle: Marktgemeine Stallhofen

Zu dieser Höhle marschierten wir dann, um sie näher in Augenschein zu nehmen. Der Regen begann wieder stärker zu werden. Diejenigen unter uns, die keinen Schirm mit hatten, mussten eben eine unfreiwillige Dusche zu sich nehmen. Das dämpfte aber keineswegs die Stimmung, wir waren schon sehr neugierig auf die Höhle, besonders die Kinder unter uns. Eigentlich ist die Krampushöhle nur an einigen Tagen im Jahr offen - gegen Ende November bis Anfang Dezember, aber man kann auch eine außerordentliche Führung vereinbaren.
An der Höhle angekommen, erschien daraus ein Krampus in voller Montur. Er sah so furchterregend aus, dass sich einige Kleinkinder hinter ihren Müttern und Vätern versteckten. Niemand musste aber Angst haben und wer trotzdem ein mulmiges Gefühl im Magen verspürte, konnte dies bekämpfen: In der Höhle wurde köstlicher Schnaps ausgeschenkt. So wurde selbst der ängstlichste Hasenfuß gleich wieder mutiger.

Nachdem wir wieder beim Bus eintrafen und einstiegen, nahm dieser gleich Fahrt auf Richtung Graz, wo wir das Grab Ambrosis besichtigen wollten.
Die Fahrt dauerte eine gute Stunde und ging meist über Bundesstraßen. Am Friedhof angekommen, regnete es wieder stärker, doch war das allen egal. Nach einiger Suche fanden wir das Grab. Andächtig verhielten wir dabei einige Minuten.

Hier eine Kurzbiografie, erstellt vom Friedhof St. Leonhard, dem Prominenten-Friedhof von Graz

Gustinus Ambrosi, Prof. h.c., Bildhauer, Dichter, Philosoph, 1893 - 1975. Ehrengrab der Stadt Graz, Ehrenbürger von Graz, Ambrosi-Gasse in Graz-Waltendorf nach ihm benannt. Der nach Krankheit in der Jugend ertaubte leidenschaftliche Künstler erschaffte über 2500 bildhauerische Werke, die in ihrem expressiven Gestus von hoher Gestaltungskraft zeugen. Eine Reihe literarischer und philosophischer Schriften befassen sich mit dem kulturellen Verständnis seiner Zeit. Er arbeitete nach erster Ausbildung zunächst in Graz, später nach Besuch der Akademie vorwiegend in Wien, atmete für einige Zeit jedoch auch den Geist von Paris. Im 2. Weltkrieg wurde ein beträchtlicher Teil seines Werkes im Wiener Staatsatelier durch Bomben zerstört, um dessen Wiederinstandsetzung er sich in den letzten Lebensjahren mühte. Eine Gustinus Ambrosi-Gesellschaft in Wien widmet sich seinem Gedenken. Das Grabmal der beiden Hände wurde vom Künstler selbst geschaffen.

Schon ziemlich durchnäßt bestiegen wir wieder den Bus, der uns zum Tagesausklang zu einem Heurigen in Sooss, Nähe Baden bei Wien, brachte.
Dort labten wir uns bei Wein und erlesenen Schmankerln, ließen dabei die Erlebnisse des Tages Revue passieren. Gegen 21 Uhr brachen wir dann auf zur Heimfahrt ins inzwischen schon nächtliche Wien.

Bericht: Manfred Weidner

Bilder


Video vom Vereinsausflug 2010